Die Abbildung zeigt die zweite Seite eines Drucks der Epistolae familiares des Eneas Sylvius. Eneas Sylvius Piccolomini war der bürgerliche Name des Papstes Pius II. (1405-1464). Die Pius-Briefe fanden im frühen Buchdruck des 15. Jahrhunderts rasch Verbreitung in ganz Europa.
Der vorliegende Druck mit den handgemalten roten Versalien, deren Platz beim Druck ausgespart wurde, stammt aus der Sammlung des Universalgelehrten Johann Peter Kohl (1698-1778) und war in einem “Verzeichnis der Drucke des 15. Jahrhunderts”, erstellt 1897 von Christianeumsbibliothekar Johannes Claussen, angeführt mit dem Titel und folgender Zuordnung: Straßburg, Johann Mentelin, ca. 1472.
Diese Zuordnung konnte nicht richtig sein; weder das internationale Inkunabel-Verzeichnis der British Library (ISTC) noch der Gesamtkatalog der Wiegendrucke (Berlin) kannte überhaupt eine Edition der Papst-epistolae aus der Werkstatt des berühmten Straßburger Druckers Johannes Mentelin (um 1410-1478). Der Druck, der weder Excipit (den Druckervermerk mit Datum am Ende des Buches) noch Titel hat, enthält auf dem Vorsatzpapier zwei Seiten eng beschriebene Besitzervermerke aus dem 18. Jahrhundert, in denen spekuliert wird, aus welchem Jahr dieser Druck stammen und wer der Drucker gewesen sein könnte; Mentelin ist dort nicht erwähnt.
Die Digitalisierung alter Drucke macht eine Identifizierung einwandfrei möglich: Auf der Seite der British Library (ISTC No.: ip00716000) ist das Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek verlinkt - und dessen zweite Textseite beweist im Vergleich, um welchen Druck der Papstbriefe es sich bei dem oben gezeigten handelt:
Pius II, Pont. Max. (vormals Aeneas Sylvius Piccolomini): Epistolae familiares. De Duobus amantibus Euryalo et Lucretia. Descriptio urbis Viennensis. Herausgegeben von Nicolaus von Wyle; (Reutlingen: Michael Greyff), nicht nach 1478. (Auch angegeben als: Esslingen [ohne Drucker], und Straßburg [“R-Drucker”, i.e. Adolf Rusch].
Ein späterer Druck der Epistolae familiaris des Papstes aus dem Jahr 1497 von Anton Koberger (1440-1513) aus Nürnberg ist hier zu sehen.
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